PR ist Eisbergarbeit

Wie erreichen wir eigentlich unseren Empfänger?

Es geht um die wichtigsten Partner im PR-Geschäft: den Empfänger. Nur dieses Mal schauen wir mal genauer hin, WIE wir ihn ansprechen müssen und welche Widerstände man hin und wieder zu überwinden hat. Ohne einen wissenschaftlichen Anspruch zu erheben – aber doch aus der Praxis gesprochen – möchten wir das in „Innere Umstände“ und „Äußere Umstände“ gliedern.

Wie die Bezeichnung schon sagt, sind bei den „Inneren Umständen“ meist hausgemachte Hürden zu überwinden. Fangen wir mit dem Pressetext – den „Inneren Umständen“ –  an. In der Regel kennt der PR-Berater sein Geschäft und weiß welche Besonderheiten ein ebensolcher Text aufweisen muss, damit er auch tatsächlich gelesen wird. Doch dann geht der – eigentlich finale – Text zur Korrektur an den Kunden. Sagen wir mal an einen mittelständischen, erfolgreichen Kunden. Der – gern im Besitz eines akademischen Grades und damit mit der Lizenz zum Schreiben – beginnt den Text auf eigene Faust zu verschlimmbessern.

Da werden dann 50er Jahre Floskeln frisch aufgewärmt, Passivkonstruktionen kunstvoll eingebaut und mit besonderer Vorliebe der eigene Firmenname in seinen ganzen epischen Länge möglichst oft und in Versalien geschrieben und dazu mit ®, © und TMs verziert. Im ‚besten‘ Fall landet der Text dann noch bei zig Abteilungsleitern mit der Bitte um Korrektur oder Ergänzungen, um dann nach seinem Ritt durch die Instanzen, mit ordentlicher Verspätung, glatt gebügelt und mit Hinweis auf die erfolgreiche Arbeit jeder Abteilung wieder beim Verfasser in der Agentur zu landen. Ein auf Harmonie bedachtes Prinzip, das jedem eine Stimme verleiht. Aber wollten wir nicht eine klare, pointierte Aussage treffen? Es sollen sich schon Berater an solchen Vorgängen die Zähne ausgebissen haben.

Zudem verzichtet der eine oder andere Marketingverantwortliche hin und wieder auch gerne auf aussagekräftige PR-Fotos. Man könne ja auch das ach so schöne (und teure) Werbemotiv verwenden. Die Medien müssten ja ohnehin froh darüber sein, wenn sie derart tolles Bildmaterial kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen. Auch wenn der Grundgedanke Content zu liefern gut gemeint ist, die Redaktionen haben nun mal bestimmte Vorstellungen und Vorgaben was für sie als Bebilderung in Frage kommt oder nicht.

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Geschafft: Seine Abteilung wurde im Artikel tatsächlich erwähnt. Foto: Unsplash/Johann-Walter-Bantz-198041

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch bei den „Äußeren Umständen“ gibt es so einiges zu berichten. Fast schon harmlos mutet da die Herausforderung an, auf welchem Weg denn nun jeder Journalist „seine“ Meldung bekommen soll. Eine agenturinterne Umfrage kam zu dem eigentlich nicht verwunderlichen Ergebnis, dass es nach wie vor keine allgemeine Bestlösung gibt. Stehen die einen auf nüchterne Emails, wollen andere aufwändig gestaltete Email-Newsletter. Der eine oder andere Redakteur bekommt von alldem sowieso nichts mit, da seine hauseigene Firewall hartnäckig alle Elektropost von bestimmten Absendern aussiebt. Wieder andere klagen über vollgemüllte Redaktionsserver, zu große Anhänge und kämpfen zudem mit eigenen Archivierungsschwächen.

Da bleibt dann noch die gute alte Schneckenpost. In Zeiten, da sie fast schon ausgestorben scheint, könnte sie tatsächlich eine Aufmerksamkeit erhaschende Möglichkeit sein, um in die Wahrnehmung der vielbeschäftigten Presseleute zu gelangen. Doch wenn dann nur eine hübsche Hochglanzbroschüre aus dem Kuvert rutscht, die dafür aber kaum verwertbaren Inhalt enthält, kann man so manche Redakteure fluchen hören und wir können uns das Porto in der Tat besser sparen…

 

Foto Eisberg: Unsplash/Teodor Bjerrang

 

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